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Alle haben jetzt eine Website. Kaum eine davon hat ein Gesicht.

Dieser Beitrag ist Teil einer außerordentlichen Reihe, in der ich Themen aufgreife, die mich persönlich beschäftigen – ungefiltert, direkt und ohne Schönfärberei.

Was mich gerade wirklich beschäftigt, ist dieser Trend: Überall posten Leute stolz, dass sie sich in zehn Minuten eine komplette Website gebaut haben. KI macht’s möglich, heißt es. Schnell, günstig, fertig. Und ich verstehe den Reiz – wirklich. Aber wenn ich mir diese Seiten dann anschaue, frage ich mich jedes Mal dasselbe: Wer bist du da eigentlich noch?

Das erinnert mich stark an die KI-generierten Portrait-Fotos, die gerade überall auf LinkedIn und Instagram auftauchen. Du kennst sie: Diese Bilder, bei denen alle plötzlich aussehen wie aus demselben Studio – gleiche Lichtführung, gleiche glatte Haut, gleicher steriler Profi-Look. Ich nenne das den digitalen Einheitsbrei. Jeder hat ihn, niemand fällt auf, und das Schlimmste daran ist: Die meisten merken nicht mal, dass sie damit ihre eigene Persönlichkeit gegen eine Schablone eingetauscht haben.

Genau das passiert jetzt im Webdesign – und ich finde, es ist Zeit, das offen anzusprechen.

Warum dieser Trend gerade so stark ist und was dahintersteckt

Der Grund, warum so viele auf den „10-Minuten-Website“-Zug aufspringen, ist simpel: Es klingt verlockend. Keine Agentur, keine langen Prozesse, kein großes Budget. Einfach rein, ein paar Sätze tippen, fertig. Die Tools sind heute tatsächlich so weit, dass das technisch funktioniert – responsives Design, SEO-Grundstruktur, sauberer Code, alles dabei.

Aber hier liegt das eigentliche Problem, über das niemand redet: Diese Tools wurden mit Millionen von bestehenden Websites trainiert. Sie lernen, was am häufigsten vorkommt, was die meisten Menschen okay finden, was niemanden stört. Das Ergebnis ist mathematisch korrekt und menschlich austauschbar – eine Website, die aussieht wie tausend andere Websites. Und genau das ist das Gegenteil von Identität.

Was KI wirklich kann und warum ich es trotzdem täglich nutze

Ich bin kein Technikfeind, ganz im Gegenteil. Ich arbeite selbst täglich mit KI, für Textentwürfe, für Recherche, für Ideen, die ich dann weiterdenke und mit meiner eigenen Erfahrung forme. KI ist mein Werkzeug, kein Ersatz für meinen Kopf, aber eine verdammt gute Erweiterung davon.

Im Webdesign gibt es echte Stärken, die ich nicht kleinreden will: Layouts entstehen schneller, Grundstrukturen stehen in Minuten, und technisch sauberer Code mit responsivem Design und SEO-Basics, das liefern die Tools heute zuverlässig. Wer mit kleinem Budget und wenig Zeit einen ersten digitalen Fingerabdruck hinterlassen will, kann damit einen sinnvollen Start hinlegen.

Das ist legitim, und genau das sage ich auch meinen Kunden, wenn sie fragen.

Aber jetzt kommt der Teil, den die meisten Tools-Anbieter nicht in ihrer Werbung zeigen und den ich für entscheidend halte.

Das eigentliche Problem: Durchschnitt ist das Gegenteil von Marke

KI-Tools produzieren statistische Mittelwerte, die Layouts, die am häufigsten vorkommen, die Farbkombinationen, die die meisten Menschen okay finden, die Texte, die niemanden stören und deshalb auch niemanden wirklich erreichen.

Dabei bedeutet Branding nicht, niemanden zu stören. Branding bedeutet, bei den richtigen Menschen wirklich anzukommen und bei allen anderen ruhig polarisieren zu dürfen. Eine Marke, die jeden ansprechen will, spricht am Ende niemanden wirklich an, weil sie sich in der Mitte verliert, wo alle anderen auch stehen.

Ich sehe das immer wieder in der Praxis: Zwei Unternehmen aus derselben Branche, beide mit KI-Website, gleiche Hero-Sektion, ähnliche Farbpalette, fast identische Texte. „Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen für Ihre Bedürfnisse.“ Der eine hat’s so geschrieben, der andere auch, und keiner von beiden hat sich gefragt, wer da eigentlich lesen soll und was dieser Mensch wirklich braucht, um zu vertrauen. Das ist kein Design, das ist eine digitale Visitenkarte ohne Gesicht.

Deine Zielgruppe interessiert KI nicht und das meine ich wörtlich

KI weiß, wie eine durchschnittliche Website in deiner Branche aussieht. Aber KI weiß nicht, wer deine Kunden wirklich sind, was sie nachts wachhält, welches Wort bei ihnen landet und welches sie nach drei Sekunden wegklicken lässt, welche Bilder Vertrauen aufbauen und welche unbewusst Skepsis wecken.

Diese Informationen entstehen nicht aus Trainingsdaten, die entstehen aus echten Gesprächen, aus konkreter Markenarbeit, aus dem Mut, sich zu positionieren und zu sagen: Das bin ich, das ist mein Angebot, und das ist für euch da. Eine Website, die auf Durchschnitt optimiert ist, erreicht durchschnittliche Ergebnisse, und das ist keine Meinung, sondern schlichte Logik.

Barrierefreiheit: Der unbequeme Punkt, über den kaum jemand redet

Hier wird’s unangenehm, aber ich sage es trotzdem! Weil ich es für wichtig halte und weil mir ehrliche Kommunikation mehr wert ist als bequeme Halbwahrheiten.

Barrierefreies Webdesign bedeutet, dass deine Website für alle Menschen zugänglich ist, unabhängig davon, ob sie mit einer Sehbehinderung arbeiten, eine Tastatur statt Maus benutzen oder auf einen Screenreader angewiesen sind. Es geht um Kontrastverhältnisse, Tastaturnavigation, Alt-Texte, klare Strukturen; Dinge, die die meisten KI-Tools nicht vollständig und zuverlässig liefern. Und seit Juni 2025 ist das mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für viele Unternehmen keine freiwillige Kür mehr, sondern gesetzliche Pflicht.

Ich sage das nicht, um Angst zu machen. Ich sage es, weil es falsch wäre, so zu tun, als wäre eine schnelle KI-Seite eine vollständige, rechtssichere Lösung. Das ist sie in den meisten Fällen nicht.

Die Kostenfrage! Weil immer jemand sagt: „Aber es ist doch so günstig!"

Ja, KI-Webdesign-Tools sind günstiger als eine Agentur – das stimmt, und ich streite das nicht ab. Aber wenn wir wirklich ehrlich rechnen, sieht das Bild anders aus: Die Zeit, die du selbst investierst, um das Tool zu verstehen, Inhalte einzupflegen und das Ergebnis halbwegs anzupassen, ist nicht kostenlos. Die Conversions, die du verlierst, weil Besucher nach drei Sekunden abspringen, weil die Seite nichts erzählt, das sie berührt oder überzeugt, tauchen in keiner Rechnung auf, aber du spürst sie im Umsatz. Die Überarbeitung, die nach einem Jahr kommt, weil du merkst, dass die Seite nicht mehr zu dir passt oder nie wirklich zu dir gepasst hat, kommt doppelt. Und mögliche Bußgelder wegen fehlender Barrierefreiheit können am Ende teurer werden als jede Zusammenarbeit mit einer Agentur.

Günstig jetzt bedeutet eben nicht automatisch günstig auf Dauer und das gilt im Webdesign genauso wie im restlichen Leben.

Warum ich diesen Artikel schreibe und was ich mir wirklich wünsche

Ich will hier keine Angst schüren, ich will keine KI verteufeln, und ich will dir auch nicht sagen, dass du zwingend eine Agentur brauchst. Was ich will, ist, dass du deinen Kopf benutzt.

Wir leben in einer Zeit, in der fast alles automatisiert werden kann, und das ist in vielerlei Hinsicht wirklich wunderbar. Aber genau deshalb wird das, was sich nicht automatisieren lässt – echte Haltung, eine unverwechselbare Stimme, durchdachte Strategie – immer wertvoller und immer seltener. Der leichte Weg ist nicht automatisch der falsche, aber er ist auch nicht automatisch der richtige – und die Frage, ob deine Website wirklich für dich arbeitet oder einfach nur existiert, kannst du nur selbst beantworten.

Stell sie dir. Ernsthaft.

Drei Fragen, bevor du auf „Generieren" klickst

  1. Will ich online wirklich erkennbar sein – oder reicht es mir, einfach irgendwie online zu sein?

  2. Weiß meine Website, wen sie ansprechen soll – oder redet sie mit jedem und damit am Ende mit niemandem?

  3. Bin ich bereit, in etwas zu investieren, das wirklich für mich arbeitet – oder nehme ich den digitalen Einheitsbrei?

Alle drei Antworten sind legitim, solange du sie bewusst triffst. Wenn du merkst, dass du mehr willst – eine Website, die deine Zielgruppe wirklich versteht, die dich klar von anderen unterscheidet und die barrierefrei, strategisch und nachhaltig gedacht ist – dann weißt du, wo du mich findest.

Bei der Kreativstation bauen wir keine Templates. Wir bauen Gesichter.

Das ehrliche Fazit

KI-Webdesign ist ein Werkzeug – kein Ersatz für Identität. Wer schnell sichtbar sein will, kann damit starten. Wer wirklich gefunden werden will, braucht mehr als einen Algorithmus. Er braucht eine Haltung.

Lass uns gerne über Agentic AI in deinem Unternehmen sprechen.